




| “Eine Zeit ohne Tiere gibt es nicht” |
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| Dagmar Borchert kümmert sich aufopferungsvoll um “streunende” Katzen / 13 Katzen vermittelt |
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Von unserer Mitarbeiterin Anke Schmiderp.s.s in der Printausgabe war noch ein ganz süßes Kittenbild.Oberginsbach. Wohin man blickt: Überall sind
Katzenraschel- und Kuscheltunnels, Plüschmäuse
sowie Sisalkörbe auf der kleinen, blumenversehenen
Veranda verstreut. Unzählige Fressnäpfe, die zum
Teil mit Trockenfutter gefüllt sind, zieren den
Vorbau zur Küche. Nur unschwer ist zu erkennen,
dass hier viele Katzen ein zu Hause haben.
Wenn man Glück hat, huscht vielleicht sogar ein
kleines Kätzchen an einem vorbei. |
“Eine Zeit ohne Tiere gab es für mich nicht”, betont Dagmar Borchert. Die 44-Jährige ist schon mit Kleintieren aufgewachsen. Neben Hamstern, Meerschweinchen und Kaninchen durfte natürlich auch eine Katze nicht fehlen. “Coco” hieß das rabenschwarze Tier, das Dagmar Borcherts Mutter besaß. Dagmar Borchert war damals 13 Jahre alt. Die Katzendame begleitete die gebürtige Esslingerin bis in den Hohenlohekreis vor sieben Jahren. Dort bezog sie, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, ein geräumiges Fachwerkhaus in Oberginsbach.
Schon bald machten sich die ersten Katzen bemerkbar. Kleine Katzenbabys, die völlig hilflos herumgeirrt seien, hätten sich zum Sterben auf die Wiese in dem kleinen Garten hingelegt. “Das bewog mich, etwas zu unternehmen”, so die kaufmännische Angestellte. Immer mehr Jungtiere, die teilweise mit Würmern befallen waren, suchten die Nähe zu den Borcherts. Die Katzenfreundin ergriff die Initiative und ließ die vierbeinigen “Streuner” von einem Tierarzt behandeln. Durch ihn lernte sie vieles über Katzenkrankheiten und ihre richtige Behandlung kennen. Für die Kosten kam Dagmar Borchert selbst auf. “Ich bin eben eine ‘One-Woman-Show’”, lacht sie und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Die Tiere lägen ihr sehr am Herzen. Dabei mache sie keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier: “Wir sind alle Lebewesen, egal ob Mensch oder Tier”, sagt sie.
Die Katzen finanziert die Tierfreundin komplett aus eigener Tasche. Dass Kosten im vierstelligen Bereich im Jahr auf sie zukommen, ist nicht unüblich. In einer roten Plastikbox verstaut sie alle teuren Medikamente, die besonders wichtig und zum Teil notwendig sind. Da lässt sich beispielsweise ein Antibiotikum für Biss- und Fleischverletzungen, ein Ohrreinigungsmittel, das zur Tötung von Milben dient, und eine Tröpfchenlösung, die zur Entfernung von Würmern hilft, finden. Doch das ist bei Weitem nicht alles. Sämtliche Augentropfen, Vitaminpasten, Plastikspritzen, homöopathische Arzneien sowie Zeckenzangen füllen den roten “Doktorkorb” und haben so manches Kätzchen vor dem Tod bewahren können.
Immer wieder schweift der Blick von Dagmar Borchert auf die Veranda. Die Glastür zur Küche darf nur offen bleiben, wenn ihre eigenen Katzen außer Reichweite sind. Zu groß ist die Angst vor einer Ansteckung mit den “Streunern” und der unweit gelegenen Hauptstraße. Sie selbst hat vier eigene “Miezen”, die sich nur im Haus aufhalten dürfen. Trotzdem haben “Mister Schneeeulchen”, “Quiry”, “Cib” und “Punky” in dem 200 Quadratmeter großen Haus viel Platz zum ausgelassenen Toben. Der riesige Katzenkratzbaum, der im Wohnraum steht, ermögliche den Katzen einen Spielbereich und verhindere ungeliebte “Kratzspuren” an den Möbeln.
Bei so vielen Katzen braucht man auch eine Menge an Futter und Verpflegung. Allein die zugelaufenen “Miezen” benötigen in einer Woche etwa vier Kilogramm Trockenfutter, 21 Dosen Frischfutter und 20 Kilogramm Katzenstreu. Lediglich ein Futtermittelhersteller schickt ihr ab und an ein Paket, das für etwa vier Tage ausreicht. “Jedes Päkchen ist jederzeit willkommen”, so Borchert.
Bei dem vielen Engagement bleibt ihr nur wenig Zeit für sich und ihren Partner. Bereits um fünf Uhr in der Frühe startet die Katzenfreundin ihren ersten Kontrollgang, und schaut, ob wieder neue Kätzchen dazu gestoßen sind. Danach beginnt die große Fütterung und - wenn notwendig -, werden die Vierbeiner mit den Samtpfoten von Dagmar Borchert ausreichend medizinisch versorgt.
“Ja, was haben wir denn da?” Tatsächlich tappst ein kleines hellbraunes Kätzchen am Eingang des “Katzenasyls” herum. Sofort schreitet die Katzenfreundin zur Tat. Ganz behutsam bringt sie das Tier in den ehemaligen Schweinestall, den sie liebevoll ihr “Katzenasyl” nennt, um erste notwendige Vorkehrungen zu treffen. Mit einem speziellen Spray, das es vor Flöhen schützt, sprüht sie das Katzenbaby ein. Gleichzeitig flößt sie ihm vorsichtig, mit Hilfe einer Plastikspritze, eine Lösung ein, die Würmern die rote Karte zeigen.
Dagmar Borchert pflegt zudem Rituale. “Das ist notwendig, um das Vertrauen der Katzen zu gewinnen”, erklärt sie. Dazu gehöre auch, dass man viel mit ihnen spricht, spielt und natürlich darf auch das “Kuscheln” nicht zu kurz kommen. Ein weiterer Punkt, auf den Dagmar Borchert sehr großen Wert legt, ist die Kastration, die den Hormonhaushalt bremst. Die Katze könne dadurch eine bessere Bindung zu dem Haus aufbauen und zudem in ihrer Agressivität gestoppt werden.
Zurzeit hat sie etwa elf zugelaufene Katzen, die sie allesamt vermitteln möchte. Des Weiteren liegt ihr die “Sensibilisierung von Tierbesitzern” besonders am Herzen. Auf ihren Homepages www.katzenstube.de und www.katzenkratzbrett.de gibt sie Informationen rund um die Katze.
In den letzten zwei Jahren gelang ihr die Vermittlung von rund 13 Katzen. Dafür, dass sie die Katzen verschenkt, stellt sie Bedingungen, die an einen Schutzvertrag gebunden sind. In diesem wird die “Biographie” der Katze festgehalten, der bisherige Tierarzt erwähnt, der als Ansprechpartner zur Verfügung steht und die Adresse der neuen Besitzer zu einer Eintragung verpflichtet. Bei Problemen soll das Tier nämlich umgehend bei Dagmar Borchert wieder abgegeben werden. Die letzte und wichtigste Bedingung ist und bleibt jedoch die Kastration.
Bisher sammelte Dagmar Borchert gute Erfahrungen bei der Vermittlung von Katzen. Neue Besitzer schickePn ihr teilweise Fotos oder aber sie telefoniert mit ihnen ab und zu. Die Tierfreundin ist sehr zufrieden mit ihrer aufopferungsvollen Arbeit. Auch wenn sie sich gerne um die “streunenden” Vierbeiner kümmert, wünscht sie sich insgeheim, alle vermitteln zu können und hofft, dass sich in ihrem Ort bald eine “gesunde” Katzenpopulation entwickelt.